Schneeengel auf dem Friedhof

Ein kalter trister Januartag. Der Schnee liegt schwer auf den Grabsteinen und verdeckt ihre Inschriften. Kein besonders guter Tag um eine Omi zu beerdigen. Eine Trauergesellschaft in schwarz. Die verweinten Augen hinter Sonnenbrillen versteckt, obschon die Sonne heute nicht mehr auftauchen wird. Und dann sind sie plötzlich da, zwei kleine Mädchen in bunten Skihosen. Die Enkelinnen der Verstorbenen. Dies ist der Tag an dem sie sich von ihrer heissgeliebten Omi verabschieden sollen. Doch sie wollen lieber im Schnee spielen. Denn Schnee ist etwas Magisches. Schnee kann man nicht wiederstehen. Schnee legt sich wie ein Wunder über uns. Ein verschneiter Friedhof ist weniger furchteinflössend. Schnee nimmt uns vielleicht die Berührungsangst vor dem Tod. Und genau dieser Schnee veranlasst zwei bunt gekleidete Mädchen sich an einem tristen Tag hinzuwerfen, um Schneeengel zu machen.

Auf einem Friedhof, gehört sich das?

Ich sage ja! Denn es gibt meiner Meinung nach keine schönere Art einer Omi «tschüss» zu sagen, als ihr zum Abscheid einen Schneeengel zu schenken damit dieser sie sicher in den Himmel geleiten kann.

PS: Und wieder einmal mehr sind es Kinder, die mich mit ihrer Leichtigkeit tief berühren und uns lehren, dass es mehr Schneeengel auf Friedhöfen geben sollte.

Für Sofie und Emily die noch wissen wo man Engel findet 🙂

Von | 2017-10-25T09:45:06+00:00 22. Oktober 2017|Bestattungen, Friedhof, Kinder, Tod, Verlust|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Martina Küng 11. Dezember 2017 um 10:27 Uhr - Antworten

    Liebe Murielle

    Deine liebevolle Art mit diesem schweren Thema umzugehen berührt mich immer wieder.
    Diese Geschichte jedoch finde ich besonders erwärmend, zumal es doch, gerade in Situationen tiefster Trauer, auch für Erwachsene schwierig sein kann, sich an vorgegebene Etiketten zu halten. Schön, wenn man den Kindern diese Geste zugestanden hat.

    Du hast eine wundervolle Beobachtungsgabe und ein grosses Einfühlungsvermögen.
    Dass Du aus diesen Gaben Deine AufGABE machst, finde ich wunderbar.

    Herzlich Martina

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