Ich bin zu den Sternen geflogen

Ausschnitt einer meiner Trauerfeiern für eine wundervolle Frau die an Engel geglaubt hat um nun selbst einer zu werden…

…und genau darum muss ich euch jetzt etwas sagen, ich glaube Eliane sorgt im Himmel gerade echt für nen riesigen Wirbel. Sie steht gerade sozusagen am Check-In Schalter an der Himmelspforte und debattiert mit einem Himmelangestellten. Auf Erden hat sie angeblich immer alles bekommen was sie wollte und sie geht natürlich davon aus, dass das im Himmel genauso läuft. Darum streckt sie auch jetzt genau in dem Moment einem völlig verdutzt dreinschauenden Himmelsmitarbeiter ihr Handy unter die Nase. Gott sei Dank hat sie das dabei, sag ich da nur 😉

Sie zeigt aufs Display. «Sehn sie die beiden, das sind Amelie und Anton, sehn sie genau hin und jetzt sagen sie mir nochmals, dass die beiden nicht wie Engel aussehen.»

Mitarbeiter: «Gute Frau das sind Menschen.»

Eliane: «Oh nein, das sind Engel, die halt jetzt im Moment einfach auf Erden wandeln, das kann doch nicht so schwierig zu verstehen sein. Haben sie mir nicht gerade eben gesagt, dass ich jetzt ein Engel bin.»

Mitarbeiter: «Ja, aber sie sind hier auch im Himmel…»

Eliane: «Ich werde jetzt also ein Engel?»

Mitarbeiter: «Ja, sobald Sie Ihre Flügel ausgesucht haben.»

Eliane: «Also, sobald ich meine Flügel habe, bin ich ein Engel.»

Der Mann nickt ein klein wenig genervt.

Eilane: «Ja, also guter Mann, wenn ich ein Engel bin, dann sind meine Kinder ebenfalls Engel, denn ich bin ja ihre Mutter. Und wenn die Mutter ein Engel ist, dann sind es die Kinder automatisch auch. Das ist doch völlig logisch, oder?! Bitte vermerken sie das jetzt entsprechend in ihren Unterlagen. Ah und noch was. Was ist mit meinen Flügeln?»

Mitarbeiter: «Was soll damit sein?»

Eliane streckt dem Mann wieder das Handy unter die Nase und zeigt ihm ein Foto von Ralf: «Das ist mein Mann, sehn Sie was der da gerade macht. Genau er sitzt auf einem Motorrad. Muss ich dazu noch mehr sagen?!»

Mitarbeiter: «Verstehe, Sie brauchen gute Flügel»

Eliane: «Die besten und schnellsten die sie haben, sonst kann ich nicht mit ihm mitfliegen.»

Mitarbeiter: «Okay, sonst noch was?»

Eliane: «Ja die müssen richtig schön sein und im Sternenlicht glitzern, damit meine Tochter mich erkennen kann.»

Mitarbeiter: «Menschen können Engel nicht sehen. Ihr Sichtfeld ist eher eingeschränkt.»

Eliane: «Unsinn, geben Sie mir gefälligst funkelnde Flügel, ich weiss, dass Amelie mich erkennen wird. Dazu braucht es keine Augen, dazu braucht es ein Herz und dieses Herz hat sie. Und können Sie mir bitte noch rasch sagen welche Vorwahl ich für die Erde wählen muss?»

Mitarbeiter: «Vorwahl?»

Eliane: «Ja, damit ich meinen Sohn anrufen kann.»

Mitarbeiter: «Anrufen?»

Eliane: «Ja, dafür hab ich extra mein Handy mitgenommen.»

Mitarbeiter: «Was ist ein Handy?»

Eliane: «Och nö bitte sagen Sie mir jetzt nicht, dass ich hier keinen Empfang habe. Auch kein Wlan?»

Der Mitarbeiter schaut Edith nur verdutzt an.

Eliane: «Wie kommunizieren Sie denn mit Erden?»

Mitarbeiter: «Dafür gibt es Katzen»

Eliane: «Katzen? Charlie! Ich kann durch Charlie meine Katze mit Anton chatten?!»

Mitarbeiter nickt: «Alternativ können Sie auch ne Sternschnuppe oder nen Regenbogen auf Erden schicken, das setzt jedoch voraus, dass die Menschen hie und da an den Himmel schauen. Was sie ehrlich gesagt nicht oft genug machen. Katzen sind da zuverlässiger. Die mauzen so lange, bis sie die volle Aufmerksamkeit haben.»

Eliane: «Sehr schön, dann mach ich das so.»

Mitarbeiter: «Wollen Sie dennoch jemandem als kleines Grüsschen aus dem Himmel, eine Sternschnuppe oder nen Regenbogen schicken?»

Eliane: «Ja unbedingt! Bitte einmal an meine Schwester Joséphine, meine Brüder Tim und Herbert, an Manuel und Vroni, an meine Wellnessweiber, an Gabi, ah und die Ladies vom Damenturnverein, meinen Mann, meine Kinder…ähhh wissen Sie was. Schicken Sie doch einfach an alle die jetzt an meiner Trauerfeier sitzen oder an mich denken so ne Sternschnuppe oder nen Regenbogen.»

Der Himmelsmitarbeiter nickt etwas konsterniert und verschwindet dann kurz hinter der Himmelspforte, um dann auch sofort wieder mit ein paar riesigen glitzernden Flügeln unter dem Arm aufzutauchen.

Mitarbeiter: «Entsprechen die in etwa ihren Vorstellungen?»

Eliane strahlt übers ganze Gesicht. «Oh ja, die sind mega!»

Mitarbeiter: «Das dacht ich mir doch, was auf Erden Schuhe sind, sind im Himmel Flügel. Hier habe ich noch Ihre Abfluggenehmigung und eine Wegbeschreibung zu ihrem Stern. Sie fliegen einfach am Mond vorbei, Richtung Milchstrasse biegen dann einmal scharf rechts ab und dann finden Sie ihn, der Stern ist mit ihrem Namen angeschrieben. Um das Licht anzuzünden müssen Sie einfach küssen.»

Eliane: «Wen?»

Mitarbeiter: «Na den Stern! Einfach einen fetten Schmatzer aufdrücken und schon geht das Licht an. Ich wünsche Ihnen eine gute Reise!»

Eliane: «Danke!»

Und jetzt steht sie an der Abflugrampe, breitet ihre wundervollen Flügel aus und fliegt einfach in den Sternenhimmel hinaus, beim Mond legt sie einen kurzen Halt ein, badet kurz im Mondlicht, das ist wie Wellnessen 😉 , fliegt Richtung Milchstrasse, biegt dann nur einmal kurz falsch ab, dreht noch ne Runde und dann findet sie ihn.

Wie ein überdimensional grosser grauer Lampion, den man vergessen hat anzuzünden schwebt er schwerelos in der Ewigkeit. Ein Zettel mit ihrem Namen baumelt daran.

Eliane landet auf ihrem Stern, der Boden ist eher hart und steinig. Doch die Aussicht von hier oben ist atemberaubend. Ihr Blick ist auf die Erde gerichtet, dort wo all ihre Liebsten noch wohnen. Und dann fällt es ihr wieder ein. Sie wirft sich bäuchlings mit allen Vieren von sich gestreckt auf den Boden und küsst den Stern innig. Und siehe da, es werde Licht und ein neuer Stern wird zum Leben erweckt.

Und wo gerade noch ein kalter steiniger Boden war spriessen nun überall funkelnde Blumen. Wo einst eine dunkle Kugel im Nachthimmel für immer verloren schien, leuchtet jetzt ein Stern, so, dass wir ihn von hier aus sehen können. Und Eliane zückt erneut ihr Notizbuch und schreibt für uns folgenden Text auf:

An meine Lieben

Denkt immer dran Liebe hat kein Ablaufdatum und Liebe heilt alle Wunden. Darum schick ich euch meine Liebe in Form eines Pflasters. Einfach auf die Wunde kleben und dann tut‘s schon nicht mehr so weh. Und vergesst nie:

MEin Stern leuchtet auch für euch.
MEin Stern, der euch den Weg weist.
MEin Stern, der euch Hoffnung schenkt.
MEin Stern, ein Licht in der Dunkelheit
Erinnert euch
Ihr seid nicht allein.
Meine Liebe begleitet euch
Auf all euren Wegen.

PS: Ich bin zu den Sternen geflogen!!!

Von | 2017-10-25T09:44:21+00:00 22. Oktober 2017|Bestattungen, Jenseits, Tod, Trauerfeier|2 Kommentare

2 Kommentare

  1. Jeannette Feuz 5. November 2017 um 10:08 Uhr - Antworten

    Wieder einmal mehr ein wunderbarer Text der das Herz erfreut

  2. Mo Güttinger 19. März 2018 um 12:49 Uhr - Antworten

    So schön, ich bin gerührt – vor einem Monat ist mein Vater zu den Sternen geflogen…

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