Wenn der Tod die Erlösung ist

Wenn der Tod die Erlösung ist  – Gastbeitrag von Noah

Über mich: Mein Name ist Noah, ich bin 20 Jahre alt und der Autor dieses Gastbeitrages. In letzter Zeit wurde ich häufig mit dem Thema „Tod“ konfrontiert (zwei Todesfälle im nahem Umfeld). Ich möchte in diesem Beitrag ein paar wichtige Dinge aufgreifen, die mir persönlich sehr am Herzen liegen. Kürzlich habe ich auf meiner eigenen Webseite eine Sammlung mit Trauersprüchen erstellt. Wenn du dich gerade in einer ähnlichen Situation befindest und auf der Suche nach ein paar schönen Worten bist, würde ich mich freuen, wenn du mich mal besuchen würdest. Mir persönlich haben ein paar wegweisende und kraftvolle Sprüche in diesen schwierigen Zeiten sehr geholfen…

Bevor ich mit dem eigentlichen Beitrag beginne, möchte ich mich nochmal herzlich bei Murielle bedanken, dass sie mir die Möglichkeit gegeben hat, ein paar Worte auf ihren Blog zu verlieren! Musik, Literatur, Bilder, der Tod ist allgegenwärtig. Trotzdem ist das Thema Tod für viele Menschen ein Tabuthema, obwohl das Sterben wie die Geburt zur Natur des Menschen gehört. Der Tod stellt ein ungeheures Paradoxon dar: Einerseits macht jeder die Erfahrung, dass Angehörige und natürlich man selbst sterben kann, aber was es bedeutet, tot zu sein, kann nicht erfahren werden.

Der Tod gehört zum Leben

Wenn Du Dir Zeit nimmst und mit alten, kranken Menschen über den Tod sprichst, bekommst Du häufig als Antwort, dass sie keine Angst vor dem Sterben und dem eigentlichen Tod haben. Angst haben die Alten oder Kranken jedoch vor dem Leiden, den Schmerzen, von der Abhängigkeit von anderen Menschen, von der Belastung der Familie und von der Ungewissheit vor der Zeit nach dem Tod.

Nicht dem Leben Jahre, sondern den Jahren Leben geben

Dank der modernen Medizin können viele Krankheiten geheilt und die Lebenserwartung erhöht werden. Dennoch muss kritisch hinterfragt werden, ob es sinnvoll ist, schwerkranke Menschen mit Hightechgeräten am Leben zu erhalten. Wer bestimmt, wie lange künstlich beatmet und ernährt wird? Der behandelnde Arzt, Du als Angehöriger oder vielleicht die Pharmaindustrie, die an der Krankheit jedes Menschen verdient? Wenn der Tod die Erlösung ist, muss man dann nicht den Wunsch des Kranken, in Würde sterben zu können, mit allen Mitteln erfüllen?

Jeder Patient hat Rechte

Trotz rasanten Fortschritten in der Medizin ist in vielen Fällen eine Heilung nicht möglich. An diesen Zeitpunkt ist es wichtig, dass Ärzte, Angehörige und die betroffene Person gemeinsam einen Weg finden, wie die noch verbleibende Zeit gestaltet werden kann. Es geht dabei nicht darum, den Patienten in eine bestimmte Richtung zu drängen, sondern seine Wünsche in den Vordergrund zu stellen. Das ehrliche Gespräch zwischen der erkrankten Person, der Familie beziehungsweise den engsten Freunden und dem Arzt ist die Voraussetzung, den letzten Lebensabschnitt so zu gestalten, dass Leid und Schmerzen weitgehend verhindert werden. Nur wenn der nahende Tod direkt angesprochen wird, hat der Betroffene die Möglichkeit, Wichtiges bei vollem Bewusstsein zu regeln und seine Wünsche zu kommunizieren.

Den Weg gemeinsam gehen

Es ist wichtig und sinnvoll, die Angehörigen jederzeit in die Behandlung miteinzubeziehen. Oft hört man von Patienten in ihrer letzten Lebensphase, dass sie nicht mehr kämpfen möchten und der Tod eine Erlösung wäre. Dennoch halten sie am Leben fest, weil sie es der Familie nicht antun wollen, aufzugeben und zu sterben. Es ist verständlich, dass kein Mensch einen geliebten Angehörigen verlieren möchte und deshalb um jeden Tag und jede Stunde kämpft. Umso wichtiger ist deshalb die Aufklärung der Angehörigen, den Schwerkranken nicht zum Kampf um jeden Preis aufzufordern. Sätze wie „Du darfst nicht aufgeben, du musst kämpfen, es wird wieder alles gut“, führen dazu, dass der Betroffene Gedanken an den Tod gar nicht zulässt. Eine zielführende Hilfestellung kann aber nur dann gegeben werden, wenn der Schwerkranke weiß, dass er sterben wird und die letzten Tage ganz nach seinen Wünschen und Vorstellungen gestalten kann.

 

Von | 2018-10-15T10:24:32+00:00 15. Oktober 2018|Bestattungen, Sterben, Tod, Trauer, Verlust|0 Kommentare

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